Wenn das Leben drückt

  • Du willst morgens keine Zeit verlieren und setzt dich unter Druck, um möglichst schnell loszulegen.

  • Du willst eine Aufgabe abhaken, aber deine Leistung stellt dich einfach nicht zufrieden.

  • Du setzt dich unter Druck, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen.

  • Du glaubst, in einem bestimmten Alter bestimmte Dinge erreicht haben zu müssen (Karriere, Familie, Erfolg).

  • Du sagst zu Dingen Ja, obwohl du eigentlich keine Zeit oder Energie dafür hast.

Dieser Druck macht uns das Leben schwer…

Wie können wir uns von diesem Druck befreien und unser Leben leichter machen?

"Unter hohem Druck entstehen Diamanten."

Hm… Was sollen wir bitte damit anfangen, wenn wir in Leichtigkeit leben wollen, aber gleichzeitig ein Diamant werden wollen?

Wenn unser Kompass auf Erwartungen eingestellt ist

Alles fing an, als wir das erste mal Druck von Außen gespürt haben. Herausforderungen, denen uns das Leben gestellt hat. Familie, Freunde, Lehrer, Kollegen, Chefs and andere Menschen - alle hatten und haben Erwartungen. An sich selbst und auch an uns.

So haben wir auf dem Weg unsere eigenen Erwartungen an uns selbst und andere geprägt.

"Ich muss gut genug sein"

"Ich darf keine Schwäche zeigen"

„Andere müssen mich so behandeln, wie ich es erwarte.“

Druck kann ein Werkzeug sein, das den Geist formt. Vorausgesetz wir lernen, ihm gelassen zu begegnen. So wie Kohlenstoff unter großem Druck zu einem Diamanten wird, können wir durch Schwierigkeiten zu größerer Weisheit, Klarheit und innerer Stärke gelangen.

Der Schmerz der Enttäuschung

Verlieren wir uns in Vorstellungen, entfernen wir uns von der Realität. Erwartungen sind wie Fäden, die unser Glück an ein bestimmtes Ergebnis oder Ereignis binden. Manchmal sind es auch Seile aus Stahl.

Enge erzeugt Druck.

Erwartungen machen uns eng. Unseren Geist, unser Herz, unseren Handlungsspielraum und unsere Möglichkeiten. Werden unsere Erwartungen nicht erfüllt, sind wir verletzt und hilflos.

Sind wir oft enttäuscht, sollten wir in Betracht ziehen, dass das an uns selbst liegt.

Erwartungen existieren nur in unserem Kopf. Sie sind nicht „da draußen“, sondern unsere eigene Interpretation der Realität. Auch wenn Erwartungen von anderen kommen, sind wir es, die ihnen Bedeutung geben und ihnen folgen oder uns ihnen widersetzen.

Die Welt ist, wie sie ist. Nur unser Geist macht daraus ein Problem.

  • Druck entsteht nicht durch die Erwartung selbst, sondern durch unsere Reaktion darauf.

  • Jede Erwartung wird erst real, wenn wir sie übernehmen.

Die Wurzel der Erwartungen

Erwartungen sind meist der Ausdruck von zwei fundamentalen psychischen Kräften:

Zum einen sind es unsere Wünsche:

  • Der Wunsch nach Sicherheit, Liebe, Anerkennung, Erfolg

  • Der Wunsch, dass Dinge so laufen, wie wir sie uns vorstellen

  • Der Wunsch, dass Menschen sich nach unseren Vorstellungen verhalten

Zum anderen sind es unsere Ängste:

  • Die Angst vor Kontrollverlust

  • Die Angst vor Ablehnung oder Misserfolg

  • Die Angst, nicht genug zu sein oder nicht geliebt zu werden

Wünsche und Ängste sind zwei Seiten der selben Medaille. Wünsche sind oft ein Versuch, unsere Ängste zu kontrollieren oder zu vermeiden. Enttäuschung ist der Moment, in dem wir erkennen: Unser Wunsch war nur eine Verkleidung für eine tiefere Angst.

Viele Erwartungen sind in Wahrheit ein Schutzschild.

  • Ich wünsche mir Liebe → Ich habe Angst vor Einsamkeit.

  • Ich wünsche mir Erfolg → Ich habe Angst vor Bedeutungslosigkeit.

  • Ich wünsche mir Kontrolle → Ich habe Angst vor Unsicherheit.

Erkenne den Wunsch hinter der Erwartung. Dann erkenne die Angst hinter dem Wunsch. Wir müssen nicht die Welt ändern. Wir können die Anhaftung an unsere Wünsche und Ängste loslassen.

Verantwortung

Verantwortung wird manchmal mit Verpflichtung verwechselt. Pflicht ist oft mit innerem Druck verbunden.

"Ich muss dies, ich muss das…" Pflichten bieten keinen Raum für Freiheit.

Verantwortung hingegen ist Freiheit.

Verantwortung bedeutet: Das Leben spricht zu mir und ich antworte. Wer Verantwortung übernimmt, entscheidet sich auch in schwierigen Situationen bewusst für eine Antwort – statt aus Reflex oder Angst zu reagieren.

Auch Handlungen und Konsequenzen sind zwei Seiten der selben Medaille. Jede Ursache hat eine Wirkung. Wenn du einen Stein ins Wasser wirfst, entstehen Wellen – du kannst nicht „nur den Stein werfen“, ohne die Wellen zu erzeugen. Verantwortung übernehmen heißt, die Konsequenzen unserer Entscheidungen anzunehmen – ohne Widerstand.

  • Vieles im Außen können wir nicht kontrollieren – aber wir können immer bewusst handeln.

  • Entscheidend ist, dass wir nicht eingeengt auf Situationen reagieren müssen. Wir haben immer eine Wahl!

Konditionierung

Das größte Hindernis zu unserer Freiheit ist Widerstand, der unserer Konditionierung entspringt. Bestimmte Situationen überkommen uns und lösen unangenehme Gefühle und Gedanken aus, gegen die wir ankämpfen. Wir scheinen machtlos zu sein. Diese Machtlosigkeit spüren wir, weil wir nicht bewusst antworten, sondern blind reagieren.

"Re" bedeutet "wieder". Reaktion könnte man also als wiederkehrende Aktion bezeichnen. Das kann man sich wie ein Computerprogramm vorstellen… Einfach dargestellt:

Wenn ___ → dann ___.

Taschenrechner: Wenn + → dann addiere

Mensch: Wenn Stress → dann Schokolade

Reaktion ist also eine programmierte, automatische Antwort. Sie ist nicht bewusst gewählt, sondern reflexartig. Sie ist quasi eine Verknüpfung zweier Punkte in unserem Unterbewusstsein. Daher können wir unsere Reaktionsmuster leicht übersehen.

Um innere Freiheit zu erlangen geht es weniger darum, uns umzuprogrammieren, sondern hinderliche Programme zu deinstallieren. So wird aus unserer Enge ein weiter Raum, in dem wir bewusst handeln können und Verantwortung übernehmen.

Unsere Aufgabe ist es, uns selbst zu durchschauen.

Das ist ein Prozess, den wir immer und immer wieder durchlaufen:

Die Befreiung

Ein fortlaufender Prozess

  1. Unbewusste Verstrickung

Wir werden unbewusst von alten hinderlichen Programmen gesteuert, ohne es zu merken. Wir haben eine negative Denkweise („Ich bin nicht gut genug“), und halten diese für unsere Realität.

  1. Bewusste Verstrickung

Wir sehen die alten, hinderlichen Programme (Gedanken, Ängste, Erwartungen), aber sie haben noch Macht über uns. Das kann sehr frustrierend sein, aber: wir erkennen, dass die Programme fehlerhaft sind.

  1. Bewusste Befreiung

Wir können hinderliche Programme loslassen, aber es erfordert Aufmerksamkeit. Wir etablieren das neue Denken oder Verhalten, aber es fühlt sich noch ungewohnt an.

  1. Befreiung des Unterbewusstseins

Unser neues, befreites Sein ist selbstverständlich geworden. Wir werden nicht mehr von den hinderlichen Programmen gesteuert – Klarheit und innere Freiheit sind unsere neue Realität.

Fehlerhafte Programme deinstallieren

Schauen wir uns an, wie wir fehlerhafte Programme deinstallieren können. Das Gute ist: Tief in unserem Inneren kennen wir unsere wahre Natur - der natürlichen Zustand von Freiheit und Weite - unser Antivirus Programm.

1. Der Scan

Du kannst nur loslassen, was du zuvor bewusst erkannt hast.

Um das hinderliche Programm zu deinstallieren, müssen wir einen Scan durchführen. Das bedeutet, dass wir alles Störende erst bewusst wahrnehmen müssen, um es zu erkennen. Wie der Antivirus, der alle Daten scannt. Scannen bedeutet in diesem Kontext: Beobachten, was auftaucht.

Beobachte, dass da Druck, Erwartungen oder störende Gedanken sind.

Dieser Moment ist unangenehm, gibt uns aber wertvolle Informationen über unsere inneren Widerstände, die uns zurückhalten. Wenn wir uns ihnen nicht stellen, beeinflussen sie weiter unsere Reaktionen.

2. Die Annahme

Annahme bedeutet nicht hinnehmen.

Es bedeutet, dass wir aufhören, zu kämpfen oder zu flüchten. Wir öffnen uns dem, was ist. Wir hören auf, uns gegen unsere Gefühle und Gedanken zu wehren. Stattdessen gehen wir auf sie zu. Das kann sehr unangenehm werden, weil es ungewohnt ist. Vorerst scheint sich die Angst zu verstärken.

Akzeptiere, dass du gerade so fühlst und denkst, wie du fühlst und denkst. Nichts wollen. Nichts nicht wollen. Völlig unvoreingenommen. Offen und mitfühlend gehen wir auf uns selbst zu.

Wir können unserer Angst vertrauen. Gehen wir auf sie zu, können wir erkennen: Unsere Angst will uns beschützen. Meist vor verletzenden Situationen, die lange in der Vergangenheit liegen. Situationen, die wir nicht noch einmal erleben wollen. Aber genau, weil wir vor diesen Situationen wegrennen, ziehen wir sie häufig an.

Der Kampf gegen sich selbst ist, als wollte man den eigenen Schatten verprügeln.

Die Flucht vor sich selbst ist, als wollte man vor dem eigenen Schatten wegrennen.

Annahme ist der Tanz mit dem eigenen Schatten.

Frieden ist, wenn wir aufleuchten und der Schatten verschwindet.

3. Loslassen

Loslassen bedeutet nicht, loswerden.

Stell dir vor, alles was du nicht denken und fühlen willst ist Helium in einem Luftballon. Es herrscht Druck. Wir versuchen, ihn mit unseren Händen zu zerdrücken, um uns von dem Druck zu befreien. Dabei steigt der Druck ins Unermessliche. Doch der Ballon will einfach nicht platzen. Wir sind Überfordert, Überanstrengt.

Stattdessen können wir vertrauen und den Ballon liebevoll loslassen. Dann steigt er in den Himmel - wir blicken ihm hinterher. Er hört nicht einfach auf zu existieren. Aber der Raum zwischen ihm und uns wird immer größer. Weite entsteht.

Loslassen ist kein „Tun“ – es ist ein Nicht-Mehr-Festhalten. Wir lassen das alte, hinderliche Programm los - wir beenden die Identifikation mit ihm. So wird es aus unserer Identität deinstalliert.

  • „Ich bin nicht meine Gedanken.“

  • „Ich bin nicht meine Erwartungen.“

  • „Ich bin nicht mein Programm.“

Wie der Luftballon, den wir loslassen. Er kann einfach in den Himmel steigen, und wir beobachten ihn, bis er weit, weit weg ist. Wir spüren Erleichterung.

  • Die Schwere fällt ab.

  • Der innere Druck löst sich auf.

Das Muster taucht vielleicht noch auf, aber es bestimmt uns nicht mehr. Bis es irgendwann in der Ferne verschwindet.

Loslassen ist keine Aktion – es ist ein geschehen lassen.

4. Verantwortung

Nun erhalten wir unsere Belohnung: Nachdem wir das hinderliche Programm erkannt, akzeptiert und losgelassen haben, sind wir frei, bewusst zu wählen.

  • Ich lasse mich nicht mehr von alten Programmen steuern.

  • Ich muss nicht mehr aus Angst, Druck oder Erwartungen handeln.

  • Ich bin keine Reaktion mehr – ich bin eine bewusste Antwort.

Wenn wir rein nichts erwarten sind wir offen. Offen für alles, was da ist und für alles, was war und kommt. Wir nehmen die Dinge, wie sie sind – nicht, wie wir sie wollen.

Keine Erwartungen zu haben bereitet uns den Weg zu innerem Frieden.

Der Diamant

Dass wir unvollständig sind war nur eine Vorstellung, die wir von uns hatten. Wir spüren: Tief in unserem Herzen sind wir vollkommen.

  • „voll“ → ganz, nichts fehlt

  • „kommen“ → angekommen

  • „-heit“ → sein

Ganz in uns angekommen sein…

Wir erkennen: Wir waren schon immer der Diamant.

Freiheit ist das Geschenk, immer die Wahl zu haben, egal, womit wir konfrontiert werden. Wenn wir uns dem öffnen, was ist, können wir unsere Ängste überwinden. Das bedeutet, dass wir auf das Leben zugehen, anstatt es zu bekämpfen oder davor wegzurennen. Erst, wenn wir Angst und Druck annehmen und loslassen können wir dem Leben bewusst antworten. Dann übernehmen wir die volle Verantwortung für uns selbst und unser Leben. Das Fundament, auf dem alles fußt.

Wir können uns selbst liebevoll und mitfühlend begegnen - egal was ist.

Wir können wahrhaftig fühlen und mutig auf unsere Angst zugehen. Unsere Angst annehmen. Sie verstehen. Und sanft Abschied von ihr nehmen. Bis sie sich ganz in der Weite auflöst.

Respektiere deine Grenzen.

Wir können nicht alles mit einmal auflösen. Dann sind wir wieder im Wollen - dann versuchen wir wieder den Luftballon zu zerdrücken. Versuche dir immer bewusst zu werden, wenn Druck auftaucht, und wenn du darauf reagierst und drückst.

Dann erinnere dich. Lass den Druck sanft los. Lasse den Ballon steigen. Schaue ihm dabei zu, bis er in der Weite verschwindet.

Das war's erstmal. Nächste Woche geht es weiter mit dem Thema Unsicherheit und Selbstschutz. Dann tauchen wir weiter in die Angst ein. Ich freue mich darauf und hoffe du bist dabei.

Danke fürs lesen!

Alfred

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